Trauma

Was vorbei ist, ist vorbei!

Die nachfolgende Schilderung einer Aufstellung ist ein eindrucksvolles Beispiel aus der Praxis, das die Macht von Traumen zeigt und das kleine Kind, das wir einmal waren und das immer noch in uns steckt.

 

Wenn Alleinsein Angst macht

Eine Klientin leidet unter Panik vor dem Alleinsein, Magenproblemen und der Angst zu verhungern. Sie hat diverse psychiatrische Aufenthalte hinter sich, die nur mäßigen Erfolg brachten. Als 5-jährige musste sie wegen Blinddarmentzündung ins Krankenhaus. Nach der OP hatte sie großen Durst, Trinken war jedoch nach dem Eingriff untersagt. Eine Frau im Nachbarbett tröstete sie. Angeblich war auch ein Mann im Krankenhaus hinter ihr her, woraufhin die Krankenschwestern ihn von ihr fernhielten.

 

Die Kleine Hexe als hilfreiche Ressource

In der Aufstellung zeigt sich, dass sie mit sich selbst nicht verbunden ist und sich selbst nicht traut. Statt dessen ist sie immer noch mit dem vor 47 Jahren (!) geschehenen Trauma verbunden.

Die Verbindung zu ihren Selbstanteilen kann nur unter Zuhilfenahme einer sog. Hilfreichen Ressource gelingen, in ihrem Fall „die kleine Hexe“, die ihr als Kind und im Krankenhaus bereits Kraft gegeben hat. Erstaunlich zeigt sich die Wirkung von einfachen – ja kindlich anmutenden – Ritualen, die aus schamanischer Sicht durchaus Sinn machen: die kleine Hexe entzieht ihr die hinderlichen Gedanken, dass Essen bedrohlich sei und zaubert virtuell eine Heilsuppe, die sie trinkt und die die Speiseröhre und den Magen hinunter läuft und heilt. Dem kindlichen Selbst geht es danach unmittelbar gut.

 

Die Kraft richtig einsetzen und die Angst loslassen

In Wahrheit ist die kleine Hexe ein Aspekt ihrer eigenen Selbstheilungskräfte, die sie bis dahin nicht aktivieren konnte. Der zweite wichtige Lösungsschritt war dann, sich bewusst zu machen, dass das Trauma seit 47 Jahren tot ist und sie selbst lebendig. Sie ist vollständig auch ohne das Trauma. Es gehört nicht zu ihr. Die Klientin lernt, dass sie die Angst loslassen und vergessen kann, wenn sie die Kraft richtig für sich einsetzt. Sie ist sich bewusst, dass das Leben an ihr vorbei zieht, wenn sie nicht bei sich bleibt und ihren Raum schützt. Durch die diversen Lösungsschritte schafft es die Klientin, ihren eigenen Raum gegenüber dem Trauma abzugrenzen. Am Ende braucht sie die kleine Hexe nicht mehr um mit sich selbst verbunden zu bleiben.

 

Die Faszination des Tragischen

Es gilt, sich von der Faszination des Tragischen zu lösen, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Das heißt auch, dass die Klientin im Nachgang zur Aufstellung damit aufhören muss, ihr Trauma immer wieder durch Erzählungen neu zum Leben zu erwecken: Was vorbei ist, ist vorbei! Wir können daran zerbrechen oder die Herausforderung annehmen und wachsen!