Mutterliebe

Mutterliebe meint es gut.

Jede Mutter meint es gut mit ihren Kindern...

Ein Ehepaar aus einem landwirtschaftlichen Betrieb kommt wegen ihrer 15-jährigen Tochter in die Praxis. Das Mädchen leidet seit zwei Jahren an Magersucht, diverse Klinikaufenthalte und psychologische Betreuung ergaben keine großen Veränderungen.

Es zeigt sich, dass die Familie auf dem Grundstück der Oma (mütterlicherseits) lebt, die noch heute versucht, sich in das Leben ihrer Tochter einzumischen. Die Mutter selbst hat nie gelernt, sich abzugrenzen und bei sich selbst anzukommen. Daher mag sie die Abgrenzungsversuche der eigenen Tochter nicht und erlebt die Pubertät und das gesunde Bedürfnis ihres Kindes nach einem eigenen Raum als Bedrohung.

 

Es wird sichtbar, dass die Mutter mehr mit ihrer Tochter verbunden ist als mit sich selbst. Sie traut ihrer Tochter nicht und ist mit tausend Antennen bei ihr. Ständig überlegt sie, was ihre Tochter braucht, um glücklich zu sein. Das kann niemals funktionieren und später, wenn es nicht klappt, erzeugt es Schuldgefühle. Manche Mütter kennen sich bei der Tochter besser aus als bei sich selbst. Sie glauben das Leben ist gefährlich und sie müssten ihr Kind ständig beschützen.

 

Die Lösung heißt, der Tochter den eigenen Raum zuzugestehen und ihr Selbst zu achten. Sätze wie „Du wirst immer mehr mit deinem Selbst in Verbindung kommen wenn wir uns nicht zu sehr einmischen.“ wirken Wunder. Die Tochter wünscht sich Zutrauen anstatt Einmischung! Sie erstarkt durch Worte wie: „Du kannst an der Herausforderung deines Lebens wachsen oder deinem Schicksal grollen, ich habe da keinen Einfluss auf deine Entscheidung. Doch ich vertraue auf deine Kraft.“

 

Abgrenzung tut erst mal weh! Es gleicht einem natürlichen Abschiedsschmerz, wenn die Mutter die Kontrolle über ihr Kind abgibt, ihr Kind ihren eigenen Kräften und eigenem Lebensweg anvertraut. Auch tut es weh, die Abgrenzung seitens der Tochter zu spüren, das Gefühl der Ablehnung, des Nichtgeliebtseins kann hier auftreten. Doch nur die gesunde Distanz ist es, die Achtung und Raum für sich selbst und für den anderen entstehen lässt – die Grundlage für echte bedingungslose Liebe.

 

In den Aufstellungen ist es einer der berührendsten Momente, wenn eine Mutter ein Kind, besonders dann, wenn dieses es gerade schwer hat im Leben, ihrem Schicksal übergibt und den vermeintlichen Rettungsanker loslässt. Doch der Mut dieses Schrittes wird reich belohnt: das Kind hat die Chance zu wachsen und ein eigenständiger Mensch zu werden. Die Mutter selbst kommt in ihre Kraft und befreit sich von Schuldgefühlen und Sorgen.