Es ist nie genug.

Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint!

Eine Postkarte zeigt einen Spruch, der komisch und treffend zugleich anmutet. Ein erschrocken-erstaunt dreinblickender Mann sagt: „Bitte helfen Sie mir nicht! Es ist auch so schon schwer genug!“

Es drückt wunderbar den Versuch einer Abgrenzung gegenüber manch gut gemeinten Hilfsangeboten und Ratschlägen aus:

 

Der symbiotisch veranlagte Helfertyp glaubt zu wissen, was für den anderen gut ist, macht sich gern nützlich auf dessen Boot, erwartet selbstverständlich gebührenden Dank und erkennt nur widerwillig, dass seine Hilfe keine echte Hilfe darstellt, sondern vielmehr dem eigenen Unvermögen entspringt, dem anderen seine Freiheit zu lassen und sich um sich selbst zu kümmern.

Sprich, nicht jede Hilfe macht es leichter und stärkt die Fähigkeit, sich selbst aus eigener Kraft zu helfen. Ein stetes Training der Achtsamkeit hilft, die feinen Impulse wahrzunehmen, wann eine Hilfe willkommen ist, in welcher Form und wann nicht.

 

150% sind nicht genug!

Eine Klientin misst sich Zeit ihres Lebens an ihrer Schwester und leidet unter Minderwertigkeitsgefühlen. Sobald sich Erfolg bei ihr einstellt, hat sie das Gefühl sie müsse noch besser werden, mehr leisten. Die Klientin spürt außerdem sehr schnell Schuldgefühle. Ihre Eltern haben sich immer einen Bub gewünscht mit dem Namen Georg. Bei einer verdeckten Aufstellung (hier wird das versteckte Thema hinter dem Fokus-Thema aufgestellt) zeigt sich, dass sie eng mit einem männlichen Zwillingsgeschwister verbunden ist. Die schmerzvolle (da mit Abschied verbundene) doch heilsame Abgrenzung gegenüber dem Zwilling macht es ihr möglich, ihren Platz in der Familie zu finden und sich ganz anzunehmen, ohne sich ständig mit dem Erfolg anderer messen zu müssen. Zu ihrem inneren Kind kann sie jetzt sogar sagen „ich mag dich 100% auch wenn du mal nur 80% bist.“ Ihre sonst überschießende Kreativität darf sich verlangsamen und innerliche Ruhe kann einkehren.