Überlebensschuld

In der TV- Sendung Lebenslinien mit dem Titel „Gratwanderung“ wird das Leben eines kletterbegeisterten Mannes geschildert, der in früher Jugend miterleben musste, wie zwei seiner Freunde bei gemeinsamen Unternehmungen vor seinen Augen ums Leben kamen. Eine Mutter beschuldigte ihn anklagend mit den sein Leben prägenden Worten „Wie viele Menschen müssen noch sterben durch dich?“ Einige Jahre später, bei einer Rettungsaktion in den Bergen wurde der Mann, den er auf seinem Rücken trug, von einem Felsbrocken erschlagen. Er selbst überlebte wie die beiden Male zuvor unbeschadet. Zudem war er bei der Bergbesteigung des Nanga Parbat mit im Team, als der Bruder von Reinhold Messner zu Tode kam.

Sein Vater hatte seine Mutter und seinen Bruder verlassen als er 6 Jahre alt war, mit seiner Mutter verband ihn bis zu deren Tode eine innige Beziehung.

 

Schuldgefühle halten uns vom Leben am.

Die sehr bewegende Dokumentation schilderte seinen inneren Kampf gegen die nagenden Schuldgefühle, die ihn in eine tiefe Depression führten. Erst ein Erlebnis in Indien und der Besuch einer Palmblattbibliothek brachte die große Wende und führte ihn in innere Befreiung, von seinen Ängsten, seinen Schuldgefühlen und den quälenden Erinnerungen und Bildern.

 

Aus der Überlebensschuld zurück ins Leben finden.

Die in seinem Fall geschilderte „Überlebensschuld“ tritt sehr oft auf, wenn ein Mensch eine nahe stehende Person verliert und selbst am Leben bleibt. Denken wir an die Generation unserer Väter bzw. Großväter, die im Krieg Kameraden verloren haben. Ihr Herz ist oft das ganze Leben bei ihnen und sie leiden unter dem Schuldgefühl, überlebt zu haben. Mit der Folge, dass sie ihr Leben hier nicht ganz annehmen können. Geistige Verwirrung, Krankheit, Aufgabe der Heimat, Auswandern, berufliches oder privates Scheitern sind die Folgen. Die gleiche Überlebensschuld zeigt sich oft im Falle von verlorenen Geschwistern (Abgänge, Abtreibungen) oder einem früh abgegangenen Zwilling. Hier fühlt sich die Seele bereits vor dem Ins-Leben-kommen, vor der Geburt, schuldig, so als hätte auch sie gehen müssen. Die Loyalität und das symbiotische Hingezogensein zu dem, der gegangen ist, ist so stark, dass der Betreffende aus Schuldgefühlen heraus sein Leben nicht in Freiheit, Kraft und Freude annimmt, sondern in Schwere und Leid verharrt, dem vermissten Anderen sozusagen beweisen möchte „schau, es ist gar nicht schlimm, dass du nicht ins Leben gekommen bist, hier ist es ohnehin nicht so schön.“ Indem er leidet, zeigt er sich vermeintlich solidarisch mit dem Verstorbenen.

 

Das Leben an sich will, dass wir frei und glücklich sind.

Nun zeigt sich allerdings, dass dies nicht im Sinne des Lebens ist. Die die gegangen sind oder nicht ins Leben kommen konnten, wünschen sich nichts sehnlicher, als dass die Gebliebenen etwas aus ihrem Leben machen. Nach dem Motto: "Carpe diem. Nutze dein Leben, es ist kurz und auch wenn ich es nicht leben konnte (oder nur kurz), so darfst du es voll ausschöpfen.“

 

Sich von Schuldgefühlen jeglicher Art zu befreien ist ein Schritt ins Heil-Sein. Die Integrale Selbstverbindung ermöglicht diesen wichtigen Schritt!